2mal Nove Colli in 24 Stunden

 

Cesenatico........17. Mai 2014. Der erste offizielle 24h Test war ein voller Erfolg. Das Ausdauertraining der letzten 6 Monate zeigt erste Früchte. Es wird aber auch immer klarer, dass Distanzen über 400km und mehr nicht in 5 Monaten antrainiert werden können, wenn man sie etwas zügiger fahren will. Vermutlich braucht es Jahre um UltraDistanzen zügig zu absolvieren.

2mal Nove Colli, ein tolles Erlebnis, welches ich vermutlich nächstes Jahr wiederholen werde. 

 

Die Nachtrandonnee, ein einmaliges Erlebnis. Um 18.00 wurde in Cesenatico gestartet. 250 Teilnehmer stellten einen neuen Teilnehmerrekord auf. Die Strecke bot zusätzlich zu den 200km auch eine Route über 130km an. Verpflegungsstationen und Kontrollpunkte gab es reichlich. Die  mediterane Atmosphäre in der Abenddämmerung stellten die Gedanken an die noch bevorstehenden Strapazen in weite Ferne. Die unendliche Weitsicht über hügeliges Gelände  und der feuerrote Horizont in der Abenddämmerung machten die ersten Kilometer zu einer unvergesslichen Fahrt, die kaum in Worte zu fassen ist. Als es finster wurde, verstreuten sich die einzelnen Teilnehmer und bildeten eine kleine helle Lichtkette entlang der Strecke rund um die Hügel im Hinterland von Cesenatico. 

An diesem Abend fand auch die 9Colli Running statt. Ein UltraLaufMarathon, der die 205km entlang der Radstrecke führte. Die Läufer, die sich über die ganze Strecke verteilten, wurden von Autos und Motorrädern begleitet und konstant angefeuert. So wurde es auch für mich nie langweilig, weil alle halbe Stunde irgendwo etwas los war, erschöpfte Läufer, kletschende Zuschauer, Verpflegungsstationen mit Musik, Autos mit Sirenen und orange Warnlichter und Hinweisschilder. 

Wenn gerade nichts los war, war es still. Totenstill und finster. Die Temperaturen fielen zeitweise nachts gegen die 7°C. Ich war darauf vorbereitet und hatte Hanschuhe und eine zweite Jacke mit. So mancher Teilnehmer hingegen fror sich in den Abfahrten und kalten Talböden den Hintern ab. Der effektive Temperaturdurchschnit in der Nacht war bei 9°C. Laut Wetterbericht waren 14° vorhergesagt. Mit mitgeschleppter Winterausrüstung am Rücken für den Oberkörper und Winterschuhen, die ich am Start schon an hatte, wurde ich von manchen Teilnehmern die in minimaler Sommerausrüstung gekommen waren, belächelt. Meine Entscheidung erwieß sich dann aber als entscheidend für mein zügiges Vorankommen in den kritischen Nachtstunden nach Mitternacht, als an den höchsten Anstiegen in den Abfahrten die 7° geknackt wurden und der eisige Morgenwind einsetzte. 

Die Nachtrandonnee verlief wie im Flug. Nach etwas mehr als 9 Stunden war ich bereits im Ziel und konnte noch schnell ins Hotel zum Duschen und Frühstücken. Nach knabb einer Stunde im Hotel gings dann auch schon wieder zum Start beim Jedermannsrennen in die zweite Runde. In der Startreihe war ich schon ein wenig erschöpft. Als es losging, konnte ich die Geschwindigkeit der vorderen Gruppen nicht halten. 52km/h waren zu hoch. Ich ließ mich mittreiben und fuhr meine 35km/h im Windschatten, während ich immer weiter zurückfiel. Die ersten 20km vom Jedermannrennen waren für mich bereits 250km. Trotzdem gab es noch keine großen Probleme. Es fehlten noch 180km....alles lief nach Plan.

Dann war er da, der Einbruch vor dem ich mich schon seit den Abendstunden gefürchtet hatte. Ich wusste er würde irgendwann kommen. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen. Reihenweise fuhren Teilnehmer des hinteren Feldes an mir vorbei. Mit schlechter Laune, einem technischen Mangel in der Kassette am Hinterrad und schweren Augenliedern zwang ich mich bis zur ersten Verpflegungsstation um etwas zu essen. Dem Saustall nach zu beurteilen, mussten bereits mehrere wildgewordene Horden Zweiräder angehalten haben um ihre Henkersmahlzeiten zu ergattern. Sonst kannte ich diese Stationen nur vom Vorbeifahren. Essen und trinken gab es reichlich von allem etwas. Nach einer Viertel Stunde schien es mir besser zu gehen. Der Einbruch war bezwungen. Also fuhr ich weiter, immer im Ausdauermodus und immer die Durchschnittsgeschwindigkeit im Auge. Ziel war es immer über 22km/h zu bleiben. Die endlosen Hügel liefen an mir vorüber ohne dass ich sie groß registrierte. Hier und da fand ich einige Plauderkompanen. Bei Kilometer 160 (für mich km 390), am Anstieg zum 8 Hügel von den 9 Großen, stellte ich fest, das die Durschnittsgeschwindigkeit obwohl es mir im Großen und Ganzen gut ging, auf unter 21 abgefallen war. Als ich das las, schoß es mir wie ein Zucken durch den ganzen Körper: "Nein, die 22 sind zu halten um jeden Preis!!!" Ich überlegte kurz und entschloss kurz das Tempo rauszunehmen um etwas zu essen. Ich aß ein Coffein Gel das ich noch vom Abend hatte und ein normales Gel, trank etwas Wasser und steigerte wieder das Tempo. Den vorletzten und letzten Hügel fuhr ich im mittleren Ga2 Bereich hoch. Die bis 10% steilen Rampen immer um die 10-12km/h. Dann als es nur mehr flach die letzten 20km ins Ziel ging, sammelte ich meine ganzen letzten Reserven und schoß Richtung Ziel. Da ich mich bereits im hintersten Teil des Feldes befand, wo in den Ebenen maximal 30-35km/h gefahren wurde, dachte ich mir Vollgas zu fahren bis ich nicht mehr kann und dann mit einer der langsamn Gruppen im Windschatten zu fahren. Nach 400km könnte ich damit leben, Hauptsache die Durchschnittsgeschwindigkeit bleibt über 22km/h. Also furh ich wie der Teufel 44-47km/h bei leichtem Rückenwind. Der Puls reagierte sowieso nicht mehr weil ich so müde war. In den Zonen bleiben machte daher Sinn mehr. 15km schaffte ich es noch im Alleingang 40-45km/h zu fahren. Dann in einer Querpassage traf mich der Gegenwind und aus wars mit Alleingang. Mein Tacho zeigte 425km. Es fehlten noch 3-4km. Aber ich konnte nicht mehr. Ich rollte dahin. Irgendwann kam eine Gruppe die ich eben überholt hatte und schleppte mich in ihrem Windschatten mit 28km/h ins Ziel. 

Geschafft. Das war mein erster 24h Test. 430km in 22h, davon 3,5hPause. Reine Fahrtzeit +18 Stunden.Und was wirklich wichtig war und mir den ganzen Tag verschönte, die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 22,7 km/h :-)