Allgäu Rundfahrt 

600km Brevet rund um München
03. Juni 2017. Nach mehr als 8 Monaten Pause ist es wieder soweit. Eine neue Radsaison beginnt. Diese Jahr habe ich mich für einen Tapetenwechsel zum Saisonsstart entschieden. Wir befinden uns in den Voralpen, im Freistaat Bayern. Bier, Schweinshaxe und Weissbier. Die Allgäu Rundfahrt in München erschien mir auf den ersten Blick perfekt als Saisonseinstieg. Ein 600km Brevet, leicht hügelig auf 6400Höhenmetern rund um München. Machbar und perfekt als Saisonseinstieg. Organisiert wird die Allgaü- Rundfahrt vom Radclub ARA-München. 
 
 
 
 
Die Münchner Randonneure präsentieren sich als sympatische Radsportgemeinschaft. Die Einschreibung verläuft problemlos und ohne größere Zwischenfälle. Und es fällt sofort auf. In Deutschland weht ein anderer Wind. Man punktet mit Planung, Struktur und Geradlinigkeit in gemütlichem und überschaubarem Ambiente. Teile des verständlich und einfach präsentiertem Regelwerks vom Audax Club Parisien lese ich zum ersten Mal auf der eigenen ARA -Internetseite. Roadbook und Gpsdaten werden sicherheitshalber erst eine Woche vor dem Start zugesendet, damit ja keine Konfusion bei eventuellen Streckenänderungen aufkommen. 18 Euro Einschreibegebühr für ein 600erter Brevet erscheinen mir unschlagbar. Ich denke, und das ist ein rein subjektives Befinden, dass man in München mit Begeisterung an der Sache zu sein scheint und nicht nur auf verstecktem Profit aus ist, wie mancher italienischer Organisator in jüngster Zeit. Den Münchnern gebe ich ein großes Plus für das Leben der Brevetphilosophie.
 
 
 
Der deutsche Randonneur.
 
 

Der Brevet

 
München. Freitag Abend. Man trifft sich im Bavarese zur Einschreibung und Abholung der Brevetkarte. Das Bavarese ist ein münchner Lokal im Stadtzentrum der Bayrischen Hauptstadt.. Im Bavarese gibt es leckeres Bier und auf der Speißekarte auch Pizza. Und so beschließen wir was zu essen. 
 
Nach kurzer Zeit bildet sich eine kleine Gruppe und man lernt sich kennen. Da ist der Ingenieur. Er organisiert Brevets in Corea und beeindruckt mit seiner tabellarischen Auswertungsfähigkeit. Da ist der Jörg, der Organisator mit seinen 5 gefahrenen Paris-Brest-Paris Brevets. Er meint scherzhaft, dass er die Allgäurundfahrt nur organisiert, weil er nicht allein die 600km fahren will. Da ist der Österreicher. Er rechnet eifrig die Kalorien, welche nötig sein werden um den 600erter zu bewältigen. Amüsiert bestelle ich mir ein zweites Bier zur Pizza mit barbarischem Beigeschmack.
 
 
Selten so eine tabellarische Auswertung gesehen.
 
 
 
Gemütliche Runde
 
 
Der Start am Morgen danach. Samstag, 3. Juni 2017- Röcklitzplatz 8:00 Uhr. München - Zentrum
 
 
Letzte Anweisungen
 
 
 
Der bayrische Radler oldstyle
 
 
Start in kleinen Gruppen. Die Straßenverkehrsordnung wird rigoros eingehalten. Man rast nicht und es gibt keine Abkürzungen, wie manchmal bei italienischen Brevets. 
 
 
 
In München kommt man fast überall mit dem Rad hin. Entlang jeder Straße gibt es Radwege oder Seitenstreifen für Fahrräder. Ohne dass ich es merke, verlassen wir innerhalb 10 Minuten das Stadtentrum und befinden uns schon mitten in einem der vielen Waldparks, die München umgeben. Man erzählt mir, dass hier Wildschweine, Füchse und auch Rehe wenige Kilometer entfernt von der Großstadt leben. 
 
 
Nach ca 100km verlassen wir die Wälder um München und man bekomt die ersten Eindrücke vom Allgäu. Teilweise weite Ebenen, dann wieder hügeliges Terrain und unendlicher Weitblick.
 
 
Das Allgäu macht Eindruck.
 
 
Die Wieskirche. Weltnaturerbe. Man erzählt sich, dass im 18. Jahrhundert hier eine gekreuzigte Jesusstatue geweint haben soll. Seither ist die Wieskirche eine bekannte Wallfahrtskirche.
 
 
Ein weiteres Highlight im Allgäu: Die Schlösser Schwangau und Neuschwanstein bei Füssen. Die Stadt hat mittelalterliches Flair und erinnert mich an Gubbio. Eine Stadt in Umbrien, wo ich vergangenes Jahr bei Italiainbici vorbeigekommen bin.
 
 
Es schmerzt, die beiden Schlösser nur im vorbeifahren aus so weiter Ferne zu sehen. Schade, es wäre nur ein kleiner Umweg von wenigen Kilometern gewesen etwas näher ranzufahren. 
 
 
Nur wenige Radfahrer haben Augen für die Schlösser um Füssen. Und noch weniger sind sich die meisten bewusst, dass hier, wo wir diese Tage stempeln, einmal alles ein riesiges Sumpfgebiet war.
 
 
Es ist heiß. Im Allgäu sind Brunnen rar. Wasser holen wir an der Tanke
 
 
Man lacht und scherzt. Es geht voran.
 
 
Mit Spaß geht es weiter. Nach 250 km in den Beinen geht es am späten Nachmittag Richtung Voralpen. 
 
 
 
Liegerad voraus
 
 
Easy going
 
 
600 km auf dem Fixed bike. Verrückt.
 
 
Reifenpanne für die Deutschen
 
 
Irgendwann möchte ich auch so ein Liegerad.
 
In Richtung Oberstaufen geht es endlich wenigstens ein bischen aufwärts. Und als Krönung beginnt es zu regnen. Nun bin ich in meinem Element: Es regnet, es ist frisch und Steigungen voraus. Was will das Herz mehr?
 
 
Kontrollfrage
 
 
Antwort: Zötler Bier
 
 
Kässpäzle auf der Alm
 
 
 
Essenszeit
 

Die Nacht. Finstere, nasse und kalte Stunden.

Im Land der Germanen gibt es kein Erbarmen.
 
Leider gibt es von der Nacht und den Abendstunden wenig bis keine Fotos. Ich konnte ein par Bilder auf der Ara-Webseite auftreiben. Nach der Abenddämmerung fängt es zu regnen an. Es regnet immer heftiger und schüttet schließlich wie aus Kübeln die ganze Nacht hindurch. Blitze und Donner erhellen in regelmäßigen Abständen die verlassenen Straßen, welche durch die einsamen Wälder und Wiesen des Allgäus führen. Und so pedallieren wir durch die Nacht und den Regen. Hier und da begegnen wir an den Straßenrändern, verkrochen unter den Dächern der Bushaltestationen oder Vordächern von am Straßenrand gelegenen Häusern, verlorene Seelen von anderen deutschen Randoneurs. Manche sind mit nichts bekleidet als Radhose, Windjäckchen und Trikot. Sie zittern am ganzen Körper. Ich bin dankbar, dass ich wie immer übervorsichtig mit der Kleidung bin. Zwei Regenjacken und eine lange Regenhose plus Regenüberschuhe machen den Ritt durch die nasse Nacht für mich zum angenehmen Abenteuer. Grüßend und mit langsamen Rhytmus fahren wir an den armen Seelen am Straßenrand vorbei. Manche schauen uns ungläubisch nach und ich muß gestehen, dass mir doch manchmal ein kleines Schmunzeln über die Lippen huschte. Wiedermal hat sich meine vorsichtige Taktik als die einzig richtige für mich erwiesen. Es gilt lieber etwas mehr Gepäckt mitzunehmen, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Wiedermal ein Hoch auf die Vorausschauenden, die Vorsichtigen und die tapferen Ängsthasen. Und so kämpfen wir uns in voller Regenausrüstung durch die Nacht. Gegen vier Uhr morgens lässt der Regen nach. Geschafft vom Regen der Nacht und mit über 400km in den Beinen, beschließen wir auf in einer windgeschützten Waldlichtung etwas zu schlafen bis es in 1-2 Stunden hell wird. Und so ist die Nacht überstanden. Und der Morgen danacht, erweist sich als wunderbar. 
 
 
Nachts wird beim Mc Donald´s gestempelt. Na Mahlzeit!!!
 
 
 
Hallo? Ist da wer?
 
 
Der wahre Randonneur! Müde? Sicher! Aufgeben? Sicherlich nicht!
 
 
 
Mahlzeit
 
 
Purer Randonneursgeist. Man hat einfach Spaß und nimmt was kommt.
 

Zweiter Tag

Im Morgengrauen lässt endlich der Regen nach.
 
 
Regengeschützte Waldlichtung. Natur pur.
 
 
Ammersee. München ist nicht mehr weit.
 
 
Erst nochmal stempeln
 
 
Und wieder gehts in die Wälder vor München
 
 
Stempelkarte voll. Fotokamera funktioniert nicht mehr richtig. Vermutlich hat sie Wasser abgekriegt.
 
 
 
Im Ziel steht der am Rad befestigte Postkasten. Nach 600km heißt es einfach Stempelkarte bitte einwerfen und Auf Wiedersehen!!! Kein Bierchen zusammen kein Händeschütteln. C´est la vie! Sparta läßt grüßen.
 
 

Ende gut, alles gut

Die AllgäuRundfahrt hat mir sehr gefallen. Der Rundkurs ist nicht besonders schwierig, wenn man langsam fährt. Mit +7000 Höhenmetern auf 600km gibt es auch nicht allzuviel Steigung. Ich denke, dass die Allgäu Rundfahrt für Brevetneulinge ideal ist. Die Strecke bietet immer die Möglichkeit mit dem Bus oder Zug wieder zurück nach München zu fahren. Das Brevet ist sehr spartanisch organisiert. Die Streckenbeschaffenheit ist wirklich 1a. Kartenmaterial und Streckeninformationen bekommt man reichlich zur Vorbereitung. Verpflegung gibt es keine. Wer italienisches Niveau und Ramba Zamba gewöhnt ist, wird hier in einem ersten Moment sehr enttäuscht sein. Denn die Münchner Randonneure punkten nicht mit Casino und Verpflegungsstationen, sondern mit Einfachheit, Präzision und spartanischer Gemütlichkeit. Abschließend würde ich sagen:  Andere Länder, andere Sitten. Tolle Veranstaltung. 
 
 
 

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