Fotoprotokolle

  • Edition 2019

    Valtellina Extreme Brevet 2019 (VEB)

     

     
    Beschreibung 2019: 2019 werden wegen Schlechtwetter und Murenabgängen nur 3 der 4 Ringe ausgetragen. Nichts des do Trotz überleben nur die wenigsten auf den drei Rundkursen. Der Ehrenpreis Mario Fumagalli geht 2019 an einen sympatichen und zielstrebigen Deutschen. (Namen wird veröffentlicht wenn auf der Organisationswebsite veröffentlicht). 
    Link Infos und Einschreibung 2019: Audax Randonneur Italia
    File Gpx 2019: traccia
    Persönliche Fotogallerie 2019: link Album flickr in Erstellungsphase
     
     
     

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Hauptpresentation

 

Valtellina Extreme 2015

454km - 12.000m Höhenmeter
 

Vergesst weite Ebenen und gemütliches Windschattenfahren. Valtelina Extreme, hier wird in der Champions League gespielt. Entweder man tretet mit dem Drahtesel aus eigener Kraft den Berg hoch, oder es geht rückwärts. Die Valtellina Extreme ist aufgrund ihrer vielen Steigungen eine technisch besonders anspruchsvolle Radveranstaltung, die unter die Kategorie Randonnee fällt. Eine Randonnee ist eine Veranstaltung, bei der es gilt autonom in sportlichem Tempo innerhalb einer vorgegebenen Zeit das Ziel zu erreichen. Eine Randonnee ist kein Rennen. Die Zeiten sind so gesetzt, das man nicht hetzen muß, um rechtzeitig ins Ziel zu kommen. Die Schwierigkeit liegt in der Länge. Kürzere Randonnees beginnen ab 80km und gehen bis 1000 auch 2200 Kilometer und mehr.

Meine heurige Teilnahme an der Valtellina Extreme war für mich etwas besonderes. Es war eine Art Vorbereitung auf die Randolomitic, dem Höhepunkt meiner diesjährigen Saison. Valtellina Extreme, ein unvergessliches Abenteuer über die endlosen Gebirgspässe rund um Bormio. Die Strecke war im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Vier Rundkurse um Bormio. In etwa 4 mal 100 Kilometer mit jeweils 2 bis 3000 Höhenmetern. Es blieb jedem Teilnehmer frei, wieviele Runden er absolvieren wollte. Viele drehten eine Runde, genossen die Mittagssonne auf den Pässen und fuhren am Abend wieder nach Hause mit knabb 100km in den Beinen. Dann gab es jene, die 2 oder auch 3 Runden in Angriff nahmen. Von knabb 200 Teilnehmern entschieden sich etwas weniger als 40 Radsportler dafür, alle vier Rundkurse zu beenden. 451km +12000Höhenmeter in einer vorgegebenen Maximalzeit von 40 Stunden. Wie auch letztes Jahr, stellte der Sportplatz von Bormio die Organisations- und Verpflegungszentrale dar. Hier trifft sich alles und es herrscht die  ganze Zeit ein reges Treiben. Radfahrer kommen, Radfahrer gehen. Man isst hier etwas und kann, wer will auch etwas schlafen. Viele Bekannte Namen der Szene sind present. Persönlichkeiten aus allen Gesellschaftsschichten, die im Laufe der Zeit eine beeindruckende Sammlung von Radreisen und Teilnahmen an Lang- und Mittelstreckenveranstalungen vorzuweisen haben. Während der Fahrt und nachher erzählen manche von ihren atemberaubenden Abenteuern. Mit funkelnden Augen erzählen sie von ihren Erlebnissen in anderen Ländern und auf den verschiedensten Kontinenten. Mittlerweile kann auch ich kleinere Geschichten von erlebten Abenteuern erzählen. Geschichten von tagelangen Reisen, von Irrfahrten auf Schnellstraßen oder von lustigen Grenzkontrollen auf Gebieten, in denen man die Landessprache nicht spricht. Die Atmosphäre ist angenehm, man versteht sich unter Gleichgesinnten. 

Hier in Bormio trifft sich ein bunter Haufen von Radsportlern. Manche sind neu und leben ihre ersten Erfahrungen. Andere lassen es gemütlich angehen, und kommen um in sportlichem Tempo ihre Runden zu drehen. Wieder andere sind alte Hasen, und kommen nur um gesehen zu werden. Auch die zeitorientierten und Schnellfahrer sind vertreten. 

Die Veranstaltung wird vom Sportverein Bormio und seinen Mitgliedern organisiert. Ein sympatischer Haufen von freundlichen Figuren. Gemeinsam sorgen sie hinter den Kulissen dafür, dass alles reibungslos abläuft. Von der Küche bis zum Schlafplatz, sie sorgen für alles. 

Ursprünglich wurde die Valtellina Extreme von Mario Fumagalli, einem begeisterten Radfahrer aus Bormio kreiert. Leider verunglückte er mit dem Rad wenige Tage vor der allerersten Veranstaltung. Heute wird jedes Jahr ihm zu ehren der Preis Mario Fumagalli rund um diese Radveranstaltung eingerichtet. Ein Preis, der den beeindruckensten Fahrer, oder den Sportverein mit den meisten Teilnehmern premiert. 2015 konnte der Athletic Club Meran diesen Preis abstauben. 

Protokoll:

Diesmal sind wir zu zweit. War wohl meine Schuld. Ich und Paps. Letztes Jahr hatte ich ihm von dieser wahnsinnigen Tour erzählt, von den unendlichen Steigungen und dem Ritt durch die extremen Wetterbedingungen. Ich hatte wohl zuviel Begeisterung mit eingebracht, sodass sich diese übertragen haben muss. Im Dezember sagte Paps dann, er wolle versuchen teilzunehmen und wenigstens eine oder zwei Runden abspulen. Und so beschlossen wir uns gemeinsam konkret vorzubereiten. Die Trainingsfortschritte verliefen besser als erwartet. Bald war klar, wir könnten vielleicht gemeinsam die gesamte Strecke bewältigen, wenn wir abends eine ordentliche Schlafpause einlegen würden und das Wetter mitspielte. Nach 5 monatiger Vorbereitung, war es dann so weit. Am 20/06/2015 um 5 Uhr am Morgen stehen wir zusammen mit 200 anderen Radfahrern am Start in Bormio und starten mit dem anbrechenden Morgen in die erste Runde. 

Es ist frisch und das Feld startet in die ersten 15 Kilometer, eine leichte Abfahrt bis zum Fuße des Mortirolopasses. Die Abfahrt geht zügig voran. Nach wenigen Minuten ist das Ende der Abfahrt bereits erreicht und die 20 Prozent steilen Rampen des Mortirolopasses treiben die ersten Schweißperlen auf so manche Stirn.

Der Mortirolopass presentiert sich mit seinen 20% steilen Rampen als kurzer und knackiger Gebirgspass. 1500 Höhenmeter auf 10 Kilometer lassen das Herz von Kletterern höherschlagen. Im Ausdauermodus strampeln wir relativ mühelos den Pass hoch. 

Auf etwa Halbweg ist ein kurzer Gedenkstop bei Marco Pantani fast schon ein Pflichttermin. Die Familie Rampazzo aus Padova hat hier in Gedenken an Marco Pantani dieses Denkmal errichten lassen. 

Der Mortirolopass ist vermutlich was die Aussicht betrifft einer der weniger spektakulären Pässe. Der Straßenbelag hinterlässt jedoch bleibende Eindrücke. Ein unendliches Aufeinanderfolgen von in den Teer geschriebenen Anfeuerungen und Wortlauten verwandeln vor allem die letzten Kilometer des Passes in ein Erlebnis. 

Während der Auffahrt begegnen wir alten Bekannten. Mitlerweile kennt man sich. Auf den längeren Strecken trifft man immer wieder die selben Gesichter. So mancher rast aufwärts an uns vorbei. Wir vermeiden es absolut in den roten Bereich zu fahren. Unser Plan ist es, die Laktatschwelle nie zu überschreiten, jedoch dafür keine Pausen einzulegen. Der Plan scheint schon am ersten Pass aufzugehen, wo wir Dutzende Radfahrer am Gipfel und bei der Stempelung hinter uns lassen. Während sich die anderen von den Anstrengungen des Aufstiegs erholen, fahren wir mit gemäßigtem Tempo weiter ohne zu halten. 

Nach der Abfahrt vom Mortirolopass beginnt auch schon sofort die Anfahrt zum Gaviapass. Bereits aus weiter Ferne ist zu erahnen, was sich am Gaviapass abspielen wird. Stillschweigend sehe ich den Pass hoch und erwarte das Schlimmste. 

Bis zur Baumgrenze des Gaviapasses geht es mit bis zu 14% steilen Rampen ohne große Schwierigkeiten hoch. Etwas mehr als 70km liegen hinter uns. Alles verläuft nach Plan und noch spielt das Wetter mit. 5 Kilometer vor der Passhöhe führt die Straße durch einen nicht beleuchteten Tunnel. Vor dem Tunnel war es noch leicht bewölkt.

Als wir uns dem Ende des Tunnels nähern, beginnt der Wettergott seine Launen spielen zu lassen. Auf einmal stürmt es. Eine Mischung aus Regen, Wind und Schnee heißen uns am Tunnelausgang willkommen.

Es kommt Freude auf. Die Situation ist aber unter Kontrolle. Da wir im Ausdauer Modus fahren, schwitzen wir nicht allzu sehr. Um nicht Gefahr zu laufen auszukühlen, ziehen wir eine Regenjacke an. Trotz des Sauwetters, erreichen wir gut gelaunt den Pass. 

Bei der Stempelung in der Hütte am Pass sitzen völlig unterkühlte Radfahrer. Wir waren auf alle möglichen Wetterschwankungen vorbereitet und ziehen für die Abfahrt Regenkleidung an. Nach wenigen Minuten und der Stempelung im Gasthaus am Pass fahren wir weiter. Durch den Sturm lassen wir wieder Dutzende Fahrer hinter uns. Nur noch eine handvoll Fahrer sind vor uns. Es war von vorn herein klar, dass wir im Ausdauermodus zwar nicht unter den ersten ankommen würden. Dass wir aber nach 100 Kilometern immer noch über drei viertel des Felds hinter uns hatten, ließ in mir fast eine Art Rennstimmung aufkommen. Als wir die erste Runde beendet haben, wollte ich anfangs eigentlich gleich weiter. Wir entschieden dann aber gemeinsam vorher doch noch ein Teller Nudel zu essen. Mit vollem Magen, gings nach 100 Kilometern dann in die nächsten 120 Kilometer.

Der Anstieg zum Umbrailpass steht bevor. Der unendliche Anstieg stellt keine großen Schwierigkeiten dar. 

Die Aussicht ist atemberaubend. Das Wetter spielt mit und die Form passt. Nach 150km und etwas über 4000 Höhenmetern in den Beinen, sind keine großen Probleme oder Müdigkeitserscheinungen festzustellen. Wir sind zufrieden und stempeln am Umbrailpass zügig. Jetzt geht es hinunter in die Schweiz.

Nach der Abfahrt und einem Teilstück durch die Schweiz, führt die Strecke über Prad wieder zum Stilfser Joch hoch. Der Anstieg erweist sich als lang und schwierig. 

Mittlerweile ist es nach 18:00 Uhr und durch den stellenweisen Regen fallen die Temperaturen ins bodenlose. Generell sind die Temperaturen in den letzten Tagen aufgrund von Schlechtwetter gefallen. Ich beginne mir leichte Sorgen zu machen. Ich will nicht, dass wir auskühlen und unnötig Kraft verbrauchen.

Am späten Abend kommen wir nach einer kleinen Temporeduzierung endlich am Stilfser Joch an. Wiedermal ist die Atmosfäre atemberaubend. 

Die Temperaturen sind um die Null Grad Celsius. Wir kleiden uns mit allem ein, was wir mithaben und beginnen nach der Stempelung sofort mit der Abfahrt. Thermisches Leibchen, Regenhose, Regenjacke und Winterhanschuhe machen die Abfahrt zu einem angenehmen Erlebnis. Stellenweise rutscht die Temperaturanzeige während der Abfahrt ins Minus. Gegen halb acht erreichen wir Bormio zum zweiten Mal. 2 Runden sind absolviert. +200 Kilometer mit über 5000 Höhenmetern machen sich bemerkbar. Da es keine Anzeichen gibt, dass die Temperaturen in der Nacht steigen werden, beschließen wir etwas zu essen und 4-5 Stunden in der Eishhalle zu schlafen. Auf isolierten Matratzen schlafen wir einige Stunden. Gegen 3 Uhr am Morgen geht die Fahrt dann weiter. Wir starten in die dritte Runde.

Gegen 5 Uhr am Morgen ist es dann soweit. Wieder verlassen wir Italien in die Schweiz Richtung Berninapass. Vom letzten Jahr hatte ich noch schlechte Erinnerungen an diesen unendlichen Anstieg, den ich damals ohne Schlaf in Angriff genommen hatte. Heute scheint es keine großen Probleme zu geben. Auch Paps geht es gut. Immer noch im Ausdauermodur und unter der Laktatschwelle fahren wir wie eine unaufhaltbare Lokomotive vorwärts. Langsam und regelmäßig geht es in konstantem Tempo Richtung Livigno.

Als wir dann auch die Forcella di Livigno erreichen und immer noch kein richtiger Einbruch zu vermerken war, kommen die ersten Gedanken, dass wir es wirklich schaffen könnten. Gemeinsam könnten wir die 451km als Vater-Sohn Team beenden. Die Strategie schien die richtige zu sein. 

Im Vergleich mit anderen Teilnehmern schlagen wir uns auch noch nach der Nacht recht gut. Abgesehen von denen, die auf Zeit fahren sind wir gut dabei. Die Strategie, jede Runde konstant ohne Zwischenpausen abzuspulen geht auf. 

Nach Livigno geht es noch über zwei Pässe Foscagno und Eira nach Bormio und die dritte Runde ist beendet. In Bormio angekommen beschließen wir nicht lange Zeit zu verlieren und brechen zügig in die letzte und vierte Runde auf. Die letzten 100 Kilometer über Gaviapass und Mortirolo stehen an.

Der Gaviapass ist bald bezwungen und nach der Stempelung gehts auch rasch in die Abfahrt. Die Beine spielen mit und die Motivation stimmt. Nun steht der letzte Pass an diesem Wochenende bevor. Mit dem Wissen, dass es bald vorbei sein wird, erklimme ich wehmütig den Mortirolopass. Die steilen Rampen im oberen Teil verlangen uns nochmal alles ab. Nach einer knappen Stunde ist dann auch der Mortirolopass erreicht. Dort stempeln wir das letzte Mal und begeben uns in die erfrischende Abfahrt Richtung Bormio. Es gab keine größeren Schwierigkeiten und die letzten 30 Kilometer waren bald beendet. Gegen 4 Uhr Nachmittags treffen wir im Ziel in Bormio ein. 

Im Ziel habe ich anfangs nicht wirklich realisiert, was dieses Wochenende abgelaufen war. Die Valtellina Extreme, eine Strecke von 451 Kilometern und 12118 Höhenmetern abzuspulen, war für mich mitlerweile keine große Sache mehr. Aber, dass ich diese unglaublichen Höhenmeter zusammen mit meinem Vater auf dem Rad durchlaufen bin, hinterließ dann im nachhinein schon doch bleibende Eindrücke. Diese gemeinsame Leistung wurde auch vom Organisator gewürdigt und man prämierte uns mit dem Preis Mario Fumagalli für den Sportverein mit den meisten Teilnehmern. 

Meine zweite Teilnahme an der Valtellina Extreme, war wieder ein tolles Erlebnis. 

 

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