Wie alles begann

 
 

Alles begann gegen Ende 2010. Mir war wohl langweilig vom vielen nichts tun und meinem damaligen ungesunden Lebensstil. So beschloss ich mein MTB aus dem Keller zu holen und von Meran aus die Mendelrunde zu fahren. Eine recht anspruchsvolle Bergstrecke für Neulinge. Mit Turnschuhen, Baumwollleibchen, Trainerhosen, etwas Wasser und einer Wurstsemmel startete ich auf eine schier unendliche Reise. Damals benötigte ich mit Raucherlunge inklusive Bierbäuchlein über 8 Stunden. Mittlerweile fahr ich die ca 70-80km Runde in 3,5 Stunden durch. Schon damals war mir klar:" Ich muss allein mir selbst zu liebe was tun, bevor mein Körper eingeht!" Aber das Abgeplage mit dem Rad war noch nicht das meine. Also beschloss ich zusammen mit Freunden und meinem Bruder mich sportlich zu betätigen, indem wir mit dem Klettern begannen und  in alpinem Gelände Klettersteige erklommen.

Schon nach kurzer Zeit steigerte sich meine körperliche Verfassung, aber das Rauchen und der exzessive Lebensstil blieben. Ich hatte keinen wirklichen Grund damit aufzuhören, lief ja alles bestens. Wir bestiegen unzählige Klettersteige darunter auch den Tabarettasteig, einer der schwersten Klettersteige in den Ostalpen am Fuße des Ortlers. 

Als ich vom tragischen Tod eines Freundes bei einer seiner Klettertouren erfuhr, hat sich alles verändert und ich verlor die Lust am Klettern. Der Gedanke bei meinen Aktivitäten festen Boden unter den Füßen zu haben gefiel mir nicht schlecht. Und so stieg ich auf das Rennrad um. Ich benötigte einige Zeit um zu begreifen, dass der Radsport ab einem bestimmten Level nicht jeden Lebensstil erlaubt. In meinen ersten beiden Radjahren habe ich einiges an Lehrgeld gezahlt. Unfälle und Stürze wegen diverser Ursachen kamen nicht zu knabb. Der Radsport hat mich zu einem Menschen gemacht, der versucht bewusst und gesund zu leben. 

Mein erstes Rennrad war ein uraltes Colnago aus Stahl, das ich um 250 Euro erworben habe. Das Rad halte ich in Ehre. Ich weiß wieviel es Sammler Wert ist, leider wusste das der Verkäufer damals nicht. Eine meiner ersten Ausfahrten war eine Trainingsfahrt in den Dolomiten. Bei der Auffahrt auf das Grödner Joch von Corvara aus, war nach 4 oder 5 Kehren bereits Zigarettenpause angesagt. Ich erinnere mich gut daran. Noch niemals in meinem Leben hatte ich solche Lungenschmerzen. Der stechend bohrende Schmerz beim Ein- und Ausatmen war nicht auszuhalten. Ich kotzte mir wegen der "Strapazen" die Seele aus dem Leib. Ein Rennradfahrer fuhr in sportlichen Tempo an uns vorbei uns schmunzelte etwas:" Fuma! Fuma! " (Rauche, Rauche). An diesem Tag hatte ich einen wirklichen Grund mit dem Rauchen aufzuhören, ich begriff es. Ich brauchte noch einige Monate, aber seit Dezember 2011 bin ich zum überzeugten Nichtraucher mutiert. Als ich merkte, dass es ohne Rauchen  beim Treten schneller und besser geht, beschloss ich an Radrennveranstaltungen teilzunehmen.

Mein Talent für bergiges Gelände wurde bald ersichtlich. Bei meinem ersten Radrennen der Maratona dles Dolomites fuhr ich auf der kurzen 55km Strecke mit einem 10kg Stahl Rad auf Platz 27 meiner Kategorie, wobei ich im hinteren Starterfeld gestartet bin. Aber das Getümmel und Gehetze bei Radrennen machte mir nicht wirklich Spass. Ich wollte entweder vorn mitfahren oder es bleiben lassen. Es war von vorn herein klar, dass ich mir den Aufwand der nötig, ist um Radrennen zu gewinnen, nicht leisten will und kann. Und so entschied ich mich dafür, die längsten und schwierigsten Radrennen im Land mitzufahren, ohne mich mit anderen zu messen.

 Teilweise ging diese Filosophie auch auf, aber eine zufriedenstellende Lösung war das für mich auf die Dauer nicht wirklich. Es blieb immer ein bischen Wehmut zurück, weil andere schneller oder besser waren. Mit der Zeit wurde bei den sportmedizinischen Visiten auch schnell klar, wo ich enormes Potenzial haben könnte. Meine aerobe Ausdauer und die Ausdauerkraft könnten bei konsequentem Training im Spitzenbereich liegen. Schnellkraft und Explosivität hingegen gehören wohl zu meinen Schwächen.

2012 entdeckte ich eine neue Art des Radsports. Die sogenannten Randonnees. Es war wohl Liebe auf den ersten Blick. Bei einer Randonnee werden wie bei Radrennen Strecken abgefahren, nur mit dem feinen aber kleinen Unterschied, dass die Durchlaufzeit vollkommen egal ist, bis auf die vorgeschriebene Maximal- und Minimalzeit. Bei den Randonnees fand ich sofort was ich dauernd gesucht hatte. Naturverbunden auf dem Rad ohne Hektik durch die Landschaft reisen, auf der Suche nach Harmonie und Gemeinschaft. Heute kann ich sagen, das der Radsport mein Leben verändert hat. Meine Radsportgeschichte steht zwar erst in den Startlöchern, doch ich fühle, dass es eine gute und gesunde Geschichte wird..............Derzeit teste ich mich an Randonness, die über mehrere Tage nonstop gehen........und ich merke, dass noch viel Spielraum nach oben ist, für weitere Abenteuer......... Mich fasziniert diese Welt der Langstrecken, das überschreiten mentaler Grundlinien und das sich Annähern an die eigenen körperlichen Grenzen lässt mich spüren, das ich lebe.